Gastgeber

An der Rue du blamage im Gögelland

Hast du schon vom Gögelland im Thurgau gehört? Nein? Dann wird es höchste Zeit. Denn dort wohnt die Familie Stengele. Die bietet zwei schöne Standplätze, wohnt an der Rue du Blamage, setzt auf uralte Traktoren und noch ältere Obstbäume.

Auf dem Weg zum Hof der Familie Stengele werden wir auch von ihren Nachbarn begrüsst.

Sanfte Hügel, am Horizont der Alpstein und die Churfirsten. Und dann, irgendwo im thurgauischen Nirgendwo bei Berg im Gögelland, diese riesigen Birnbäume: Das muss es sein! Und das ist es auch: Die Heimat von Elisabeth und Kurt Stengele mit ihren Kindern, die schon lange keine Kinder mehr sind: Sabrina und Roman. Nicht zu vergessen Charly und Jimmy, die beiden verschmusten Kater und heimlichen Herren des Bauernhofs. Dank Sabrina ist der Hof eben auch Heimat auf Zeit für Camperinnen und Camper. «Ich hatte im Corona-Shutdown selber einen Bus umgebaut, fuhr los...und fand kaum einen Standplatz», erzählt die Flugbegleiterin und angehende Tourismusfachfrau HF.

150 Jahre alte Birnbäume

Dann stiess die junge Frau auf Nomady. Das hatte Folgen, denn kurze Zeit später gab es auch auf dem Hof der Stengeles zwei Standplätze. Den einen am Waldrand, den anderen unter dem bei Nomady-Kunden schon fast legendär gewordenen Nussbaum. «Hier sagen sich zwar nicht Fuchs und Haas gute Nacht», meint Vater Kurt. «Aber nur, weil es keine Hasen, dafür Rehe gibt.»

Hier also verbringen Verliebte oder Familien oft ganze Tage, ohne dass sie auf dem nahen Hof der Stengeles auftauchen. Zu verlockend wirkt der nahe Wald auf die Kinder, zu ruheversprechend die bis zu 150 Jahre alten Obstbäume, unter deren Ästen man sich fast wie in einer Kathedrale fühlt. Wer dann aber doch hinunter zum Hof geht, trifft da vielleicht auf Elisabeth, die gerade den Hofladen mit Köstlichkeiten aus eigener Produktion bestück: Milch, Obst, Honig, Süessmost, Schnaps, Sirup, Konfi und die Sachen halt, die den Laden zu einer Art Tischlein-Deck-Dich machen.

Oder sie treffen auf Roman und Kurt. Deren grosse Liebe gehört sieben alten Bührer-Traktoren und dem Fordson, den Romans Urgrossvater vor 82 Jahren kaufte. Dem hat sein Urenkel in der Freizeit neues Leben eingehaucht, besser gesagt, eingeschweisst, geschraubt und gelötet. Der gelernte Schreiner, der jetzt auch noch als Bauer in Ausbildung ist, hat auch einen Uralt-Mercedes wieder auf Trab gebracht und schraubt in fast jeder freien Minute leidenschaftlich an seinen unzähligen Töffli herum. «Manchmal», so Roman, «manchmal gehen die Fachsimpeleien mit den Gästen ins Uferlose. Wunderschön.»

«Manchmal gehen die Fachsimpeleien mit den Gästen ins Uferlose. Wunderschön.»

Emmentaler und Güggel

Aber auch die Stengeles leben nicht vom Fachsimpeln, sondern von ihrer Arbeit: «In einem normalen Jahr ernten wir etwa 60 Tonnnen Mostobst, daneben haben wir Kühe, deren Milch zu Emmentaler verarbeitet wird. Emmentaler aus dem Thurgau? Es gibt nichts, das es nicht gibt und es erklärt sich damit, dass der Name Emmentaler nicht geschützt ist. Es gibt noch mehr Dinge in diesem lieblichen Landstrich nahe am Untersee, die die Gegend besonders machen: Etwa die Bezeichnung der Region: Gögelland. «Es hat etwas mit dem Konzil von Konstanz von1414 bis 1418 zu tun», erzählt Roman. «Unsere armen Vorfahren mussten offenbar den besseren Herren in der reichen Stadt Lebensmittel, vorzugsweise Hähnchen, also Güggel, liefern. Und aus Güggel wurde im Lauf der Jahrhunderrte Gögelland.» Eine andere Quelle behauptet Gögelland habe etwas mit Gaukler zu tun.

Das Ende der Geschichte

Was aber definitiv stutzig macht, ist ein offizielles Strassenschild am Haus der Stengeles, ein Haus, in dem ganz offensichtlich viel und gern gelacht wird und in das man gerne einkehrt: Rue du blamage steht da zu lesen. Die Stengeles schmunzeln und Kurt erzählt unter Lachen die Geschichte, die zu diesem Schild geführt hat. Wir würden die Blamage-Story hier ja gerne wiedergeben. Doch leider fehlt der Platz. Aber bitteschön: Ein Ausflug ins thurgauische Nirgendwo bei Berg lohnt sich wirklich. Und Kurt erzählt die Geschichte gerne nochmals!