Natur

Das Winterkleid der Nadelbäume

Um die kalte Jahreszeit unbeschadet zu überstehen, gibt es viele Strategien. Pflanzen wie Knollen, Zwiebeln oder Wurzelstöcke verziehen sich unter die Erde. Verstecken und möglichst keine Energie verschwenden, lautet die Devise. Wie machen das aber Bäume und Sträucher, welche der Kälte und Witterung schonungslos ausgesetzt sind?

Strategie der Bäume

Bäume und Sträucher halten ebenfalls Winterruhe. Sie gehen dafür sehr sparsam mit dem gespeicherten Wasser um und verhindern auch, dass dieses gefriert. Je kleiner ein Blatt ist, desto weniger Wasser verdunstet. Während Laubbäume ihre Blätter abwerfen müssen, können die Nadelbäume der Kälte trotzen und ihr Kleid behalten. Eine Ausnahme bildet hier übrigens die Lärche, welche sich den Laubbäumen anschliesst und sich jährlich in ihrer kahlen Form präsentiert.

Wie funktioniert das nun aber mit den restlichen Nadelbäumen? Damit diese nicht übermässig Wasser verdunsten, sind die Spaltöffnungen der Nadeln in einer dicken Wachsschicht der Oberhaut versenkt. Das verhindert, dass der Baum im Winter durch hohe Verdunstungsraten austrocknet. Im Gegensatz zu den feinen Blättern der Laubbäume mit einer grossen Oberfläche, sind Nadeln viel kleiner, dafür aber dicker und härter. Sie haben weniger Energiezellen und sehr viel Festigungsgewebe, das macht sie so robust. Nadeln sind eigentlich kleine, feste Blätter und gehen deshalb schon sehr sparsam mit Wasser um.

Trick Nr. 2

Zudem erhalten sie ihre Winterfestigkeit dank einem genetischen Frostschutzmittel namens Zucker. Ohnehin ein elementares Lebenselixier für Pflanzen, erhält er im Winter eine zusätzliche Aufgabe. In der nötigen Konzentration, und ergänzt durch andere Stoffe, ist er das ideale Mittel, um den Gefrierpunkt in den Pflanzenzellen erheblich zu senken.

«Der Kälteschutz ist nicht immer gleich gut.»

Die Kälteresistenz ist von Jahreszeit zu Jahreszeit verschieden. So können Frostnächte im Frühling erheblich mehr Schaden anrichten und frische Triebe erfrieren lassen, auch wenn bei weitem nicht mehr die Minusgrade erreicht werden, die der Baum in den Wintermonaten ohne Probleme überstanden hat.

Die Winterstrategie der Nadelbäume erscheint also gar nicht so kugelsicher, eher diese der Laubbäume. Wie kommt es dann aber, dass es gerade Nadelbäume sind, die in Skandinavien oder Sibirien im höchsten Norden gedeihen und in den Alpen am weitesten oben anzutreffen sind?
Die Nadelbäume sind im Vorteil - nicht, weil die Winter so kalt, sondern weil an besagten Orten die Sommer so kurz sind. Für Laubbäume würde es sich nicht lohnen, jährlich neue Blätter zu produzieren wenn sie sie nach kurzer Zeit wieder abwerfen müssten. Die Nadelbäume behalten die Nadeln und können im Frühling gleich wieder loslegen. Übrigens: Im Lauf der Jahre fallen nach und nach die ältesten Nadeln ab und neue wachsen nach.